Bei den Stabilisatoren ist immer wieder ein Missverständnis zu entdecken was im Ende zu schweren Fehleinstellungen führt. Wenn man es so ausdrücken mag, sind die Stabilisatoren das Rückrad des Fahrwerks. Änderungen hier können das ganze Fahrzeug in seinem Fahrverhalten stark beeinflussen und dadurch teils schwere Folgefehler hervor rufen.
Oft vergisst der Setupersteller diesen sehr wichtigen Punkt. Prinzipiell werden immer zuerst die Federn eingestellt und danach die Stabilisatoren. Denn der Einstellungsgrad der Stabilisatoren richtet sich nach der Härteeinstellung der Federung. Die Abhängigkeit wurde bereits im Wirkungsbereich vom Setup Guide erklärt, so dass man inzwischen verstehen sollte, dass eine harte Federung auch harte Stabilisatoren erfordert.
Beim Fahrverhalten des Fahrzeugs wird oft eine falsche Einschätzung getroffen, wenn z.B. das Fahrzeug nicht das gewünschte Einlenkverhalten hat. An diesem Punkt muss man aber das Verhalten vom Fahrzeug sehr genau unter die Lupe nehmen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Schiebt ein Auto mit der gesamten Längsachse in einer Kurve nach außen, so ist die Federung zu hart eingestellt. Würde man jetzt die Stabilisatoren nur vorn weicher machen, würde man das Auto zwar zwingen das es besser um die Kurve fährt, aber man würde nun ein unruhiges Heck spüren d.h. wiederum das die Stabilisatoren nicht direkt den Grip als solches beeinflußen, das machen hauptsächlich die Federn oder anders erklärt regelt man nicht den Grip direkt auf einer Achse, sondern das Verhalten und die Traktion.
Woher kommt dieser Effekt? Im Setup 1×1 haben wir versucht es kurz und knackig zu erklären, deswegen sollte man sich die Fakten nun noch einmal vor die Augen führen. Wie man seine Stabilisatoren gesamt einstellt richtet sich in erster Linie nach der Härteeinstellung der Federn. Verstelle ich nun einseitig (vorn oder hinten) den Stabilisator, verändere ich damit das Gripniveau auf einer Achse.
Denkt man nun darüber nach kann man im Grunde den Effekt erklären. Die Basis war, das mein Fahrzeug über die gesamte Längsachse nach außen schiebt/rutscht. Irrtümlich wurde nun der Stabilisator vorn weicher gestellt. Das Auto fährt zwar besser in die Kurve ein, bekam dadurch aber ein wackliges Heck. Der Fehler liegt darin das man nicht das Problem bekämpft, sondern etwas erzwingen will. Wenn ein Auto über die gesamte Längsachse, im Idealfall dazu noch stabil und geradlinig, nach außen rutscht, sind meine Federn zu hart eingestellt. Das Einstellen der Stabilisatoren einseitig würde nur das Verhalten auf einer Achse ändern. Da mein Fahrzeug aber über die Längsachse nach außen schiebt, habe ich bereits ein gleichmäßiges Gripverhältniss auf den Achsen. Verstelle ich jetzt eine Achse, störe ich das Gleichgewicht und begehe danach Folgefehler, da ich ja wieder ein stabiles Heck brauche.
Das gleiche Spiel kann man in allen Variationen durch gehen, man würde immer wieder nur zu dem Ergebnis kommen das sich an einem Punkt des Fahrzeuges eine Besserung eintritt, am anderen aber eine Verschlechterung. Habe ich dieses Verhalten vom Fahrzeug bemerkt, sollten spätestens hier dann die Alarmglocken angehen und man genau überlegen was man eigentlich am Auto ändern will.
Der richtige Weg ist das Senken der Federungswerte und eine Probefahrt. Sollte nun das Fahrzeug nicht mehr über die Längsachse rutschen, aber zu steif durch die Kurve fahren arbeitet man an der Vorspur und nicht am Stabilisator. Am Stabilisator arbeitet man nur wenn man Probleme beim Lastwechsel hat (Kurvenwechsel, Anbremsen, Beschleunigen). Hier das Einlenkverhalten eines Fahrzeuges prinzipiell ein zu stellen ist der falsche Weg, da die Einstellung selbst zu starke Auswirkung auf das Fahrverhalten selbst hat.
Warum steht dann aber nun in der Setupreferenz das man bei über- oder untersteuernden Verhalten den Wert einseitig ändern soll und warum wird immer nur auf die Vorderachse eingegangen. Ein Grund ist einmal sehr einfach, würden wir schreiben ändere vorn oder hinten würdet ihr zu oft Fehleinstellungen vor nehmen, da meist dann der Wert vorn runter und hinten hoch gesetzt wird oder umgedreht. Wir wollten also damit zum Ausdruck bringen, dass wenn man an den Stabilisatoren arbeitet, man das nur mit einem Schritt tut und im Idealfall eigentlich gar nicht an den Stabilisatoren arbeitet. Da bei gleicher Einstellung Federungswert zum Stabilisatorwert immer ein ausgewogenes Gripverhältniss auf den Achsen selbst herrscht. Man sollte sich hier kurz in Erinnerung rufen das wir immer von drei möglichen Stufen der Härtegrade reden (weich, mittel, hart), die Stabilisatoren aber nur 4 Stufen der Einstellungsmöglichkeit haben. Das bedeutet, ich begebe mich also sehr schnell in den anderen Bereich und habe somit wieder eine entgegengesetzte Abhängigkeit zur Federung. Die eine Stufe die mir also zum arbeiten übrig bleibt, ohne den Federwert an zu passen, ist auch die einzige die ich nutzen sollte, da ich ansonsten wieder erst meine Federwerte anpassen müsste.
Änderungen in der Balance sind also nur nötig wenn die Streckencharakteristik es erfordert das die Reaktion vom Fahrzeug das erwünschte Verhalten herbeiführen soll bzw. mit einem über- oder untersteuernden Fahrzeug in diesen Situationen kämpfe und somit das Gripniveau in einer Stufe anpasse.
Grundprinzip:
Stabilisator gesamt hart – mehr Stabilität bei Geradeausfahrt – direktes Lenkverhalten
Stabilisator gesamt weich – besseres Handling in gleichbleibenden Kurven
Wert vorn erhöhen – stärkeres Untersteuern / mindert Übersteuern
Wert hinten erhöhen – erhöht das Übersteuern / mindert Untersteuern
Gesamtprinzip Vorn vs Hinten:
Vorne Härter – Einlenkverhalten besser und bessere Hecktraktion am Kurveneingang- und Ausgang
Hinten Härter – weicheres Heck, dreht sich besser in die Kurve
Vorn Weicher – unruhiger, etwas schlechter am Kurveneingang dafür besser am Kurvenausgang
Hinten niedriger – direkteres Verhalten, mehr Untersteuern
Zur harte Stabilisatoren führen zu Bodenhaftungsverlust bei Bodenunebenheiten und ist damit Streckencharakter abhängig. Wird aufgrund der Federwerteinstellung selten zu hart eingestellt, da die Federwerte die Basis für die Stabiwerte vorgeben.
Unterschied Grip und Traktion
Grip bedeutet Haftung, Traktion nennt man die Fähigkeit die Motorleistung durch Verzahnung mit der Fahrbahnoberfläche in Vortrieb umzusetzen.
Sollte es noch Fragen dazu geben nutzt bitte die Kommentarfunktion.
Ein kleiner Workaround zum Nachvollziehen dieses Themas:
Geht auf Monza und nehmt die Grundeinstellunges von z.B. eines Hondas. Setzt da nur die Werte für die Federn und Stabis auf fast Maximum (95/105). Bringt die Reifen auf Temperatur und durchfahrt dann mal die Parabolica (das ganze ist bei leicht feuchten Bedingungen noch besser zu sehen). Das Fahrzeug sollte es da nun gleichmäßig nach aussen drücken ohne das man etwas tun kann. Stellt nun mal an den Stabilisatoren die Vorderachswerte weicher ein und beobachtet was das Fahrzeug macht. Das ganze kann man auch mit den Hinterachswerten machen usw.
Um das ganze ab zu schließen senkt man nun die Federungswerte gesamt und passt die Stabilisatoren anhand der Federungswerte an. Das Fahrzeug wird die gleiche Kurvengeschwindigkeit halten oder auch einen höhere Geschwindigkeit ermöglichen, da nun mehr Grip vorhanden ist bis es das Fahrzeug nach aussen schiebt. Das Folgethema davon wäre nun, was muss ich machen wenn mein Fahrzeug relativ gleichmäßig über die Längsachse schiebt, aber nicht 100% gleichmäßig. Die Lösung ist in der Basis wieder bei den Federn zu suchen und nicht bei den Stabilisatoren. Dazu gibt es dann aber einen neuen Artikel.

